Part 1: Die fabelhafte Welt des Herrn Norris

Ach du Schreck! Nun ist es also so weit: Muttis Countdown bis zur Heimkehr befindet sich seit der vorletzten Woche im zweistelligen Zahlenbereich. Dabei haben wir doch erst vor kurzem Bergfest (Halbzeit) gefeiert – Wieso hat es die Zeit plötzlich nur so eilig?
Aber erst einmal : Hey guys!
How ya doin? (dt. „Wie läuft es so“)?
Bei Maren und mir hat sich im Prinzip nicht viel geändert. Wir haben zwar ’ne ganze Menge in der Zwischenzeit erlebt (daher gibt es diesmal auch einen Artikeldreiteiler), aber im Großen und Ganzen befinden wir uns noch immer in der gleichen Ausgangssituation: auf der Suche nach einem Farmjob in einem kleinen Käffchen namens B… B… Bundaberg Bowen. Doch dazu von Maren später mehr. Jetzt darf erst einmal die Jule palabern.
Wie ihr sicherlich wisst (oder zumindest wissen solltet!) hatte Maren vor knapp einem Monat – genau genommen am 28. März 2010 – Geburtstag. Für Backpacker natürlich Grund genug die Sorgen um das liebe Geld für ein, zwei Tage zu vegessen und etwas Fun (dt. „Spaß“) zu haben. Enjoy yourself! (dt. „Genieße dich und das Leben!“) – wie es der Australier jetzt empfehlen würde. Gäste für unsere kleine Party waren mit Nikki und Alex aus Deutschland auch schnell gefunden und ein Geschenk für Maren (’ne Geburtstagstüte mit Feuerwehrglückwunschkarte, Süßigkeiten und ’ner Menge Schnick-Schnack) hatte ich ebenfalls bereits klangheimlich besorgen und in einer einsamen Nacht hinter verschlossener Badezimmertür zusammenbasteln können. Fehlte also nur noch was zum Naschen für die extra Portion Zucker und etwas zum Süppeln um sich ordentlich die Rübe abzuschießen in einem gesunden Maße den Spaßpegel hochzuschrauben. Da ich Maren bereits in Syndey versprochen hatte, einen Kuchen für ihre Feier zu spendieren, übernahm ich die Kosten für eine extra cremige Schwarzwälderkirschtorte und klärte somit schon mal die Frage nach der Geburtstagsverpflegung. Maren hingegen kümmerte sich als Gastgeberin um die feuchtfröhliche Komponente und besorgte einen 4,4l Goon – gefüllt mit fruchtigem australischen Weißwein. Somit hatten wir also alles zusammen. Ließ sich nur noch sagen: Let’s pardy hardy! (dt. „Lasst uns ordentlich feiern!“). Und wer will schon bis zum eigentlichen Geburtstag warten? Unser Motto: „Auf geht’s, ab geht’s, drei Tage wach.“ – Wir feiern rein (und raus^^)! =D Mit den Folgen, die ein Wein mit über elf Umdrehungen am nächten Tag (dem eigentlichen Geburtstag) hervorrufen würde – sprich ’nem schönen dicken Hangover (dt. „Kater“) – rechnet ja erst mal keiner. Schließlich war es einfach zu lustig mit den Partytuten um Mitternacht die taiwanesischen Chi-Korejander im Bett gerade stehen zu lassen. So kam es also, dass wir uns am 28. März mehr schwebend als gehend auf den Weg in die Stadt machten, um zum einen die bestellte Schwarzwäldler vom Bäcker zu holen und zum anderen Email-Geburtstagsgrüße bei McDonalds zu lesen (über die sich Maren übrigens riesig gefreut hat – Habta jut jemacht!). Zu einer supa-hamma-mega-coolen Ronald-McDonald-Burzeltagsparty konnte ich das Geburtstagskind leider nicht überreden. Dabei hatten die Partykrönchen und bemalten Gesichter, die es dazu gegeben hätte, meiner Meinung nach echt Style. Am späten Nachmittag ging es schließlich an die Kaffeevorbereitungen. Maren und ich breiteten im Backyard (dt. „Hinterhof“) eine Picknickdecke aus, in deren Mitte wir anschließend einen mit bunten Luftschlangen, Kuchen und Geburtstagskerzen verzierten Tisch stellten. Ja und wäre der Kameraakku nicht leer bzw. Maren und ich nicht zu faul gewesen, die zweite Kamera zu holen… ja, dann gäbe es jetzt vielleicht sogar Bilder davon. Sorry. =D Nikki und Alex fanden unseren Kindergeburtstagslook zumindest erste Sahne und bedankten sich ihrerseits mit Süßigkeiten made in Germany [dt. „die in Deutschland hergestellt wurden“). So saßen wir also noch bis es dunkel wurde auf der Decke vor unserem Tischchen und erzählten bei Kerzenschein über alle möglichen Themen, die uns durch den Kopf gingen. Auch Robs toller Artikel in der Volksstimme (*klick*) kam zur Sprache und ich glaube, wir konnten Nikki und Alex damit schon ein bisschen neidisch machen (nochmals danke, Großa!). Nachdem die australischen Killermücken unsere Beine und Arme mal wieder in eine schöne Hügellandschaft verwandelt hatten, entschieden wir uns dann doch dafür, die Feier lieber nach drinnen zu verlagern. Abendessen wollten Maren und ich anschließend eigentlich beim China-nesen. Doch man glaubt gar nicht WIE so ein Stück Schwarzwälderchen stopfen kann. Also ließen wir den Tag stattdessen lieber gemütlich mit Nikki, Alex und natürlich dem Ehrengast Goon auf dem Sofa ausklingen. Wirklich zu schade, dass man nur einmal im Jahr Burzeltag feiert…
Über unsere Zeit in Bundy gibt es ansonsten nicht mehr viel zu berichten. An irgendeinem Tag hatte ich mir noch schnell die recht berühmte Rumfabrik angesehen – nicht allein, weil es am Ende jeder Tour zwei kostenfreie Kostproben gab – und stellte abschließend fest, dass die Bundaberger diesbezüglich echt was drauf haben. Zumindest hatte der „Royal Liquor“ (Rum mit Schokolade), den ich auf Empfehlung unseres Hostelleiters Rod geschleckert hatte, ziemlich was hergemacht. Ich sag nur: Yammi! Auch über Bundys Botanic Gardens bin ich beim Joggen kurz vor der Abreise noch gestolpert. Schon merkwürdig. Da läuft man regelmäßig quer durch Bundaberg und entdeckt ausgerechnet am letzten Tag einen der schönsten Flecken der Stadt… Aber was soll’s, vorm bevorstehenden Umzug konnte uns das nun auch nicht mehr abbringen und so packten wir die Rucksäcke fertig und verschenkten von der Ketchupflasche zum Marmeladenglas noch kurzerhand unseren halben Kühlschrankinhalt an Nikki und Alex. Des Weiteren nutzten wir die angeborenen Fertigkeiten eines taiwanesischen Chi-Korejanders – ein „Pfohto, Pfohto“ zu machen (wie sie es selbst so schön sagen) – und ließen uns zusammen mit den zwei anderen Deutschen digital festhalten (@Nikki&Alex: Ja ja, ihr kriegt die Pics bald zugeschickt). Vielleicht sehen wir Nikki und Alex ja sogar noch mal wieder. In Down Under weiß man schließlich nie, wer oder was im Outback auf einem lauert. =D
Wo es uns daraufhin hinverschlug? Zunächst nach Gin Gin. Eine Stadt, die noch kleiner, noch weniger einladend und noch unbedeutender war als Bundy, sodass sie unser Busunternehmen „Premier Motor Services“ gar nicht erst anfuhr. Uns blieb also keine andere Möglichkeit, als dieses Mal zur teuren Konkurrenz „Greyhound“ zu wechseln (bei der man übrigens für den Namen und nicht etwa für einen besseren Qualitätsstandard draufbezahlt). Doch Gin Gin sollte für uns auch nur ein Zwischenstop in das nächste Abenteuer sein, weswegen es uns auch nicht weiter interessierte, wie die Kleinstadt aussah. Wir hatten nämlich so ziemlich die Nase voll von diesen australischen Kleinkaffs mit ihren überteuerten Hostels. Es war an der Zeit unseren stickigen Backpackeralltag mal ordentlich durchzulüften und das sollte dieses Mal mit frischem Wind von einer Wwoofingfarm passieren. Schließlich hatten wir mit Wwoofing bisher größtenteils positive Erfahrungen gesammelt und freuten uns schon sehr darauf, mal wieder lecker bekocht zu werden, am australischen Familienleben teilzuhaben und in richtigen Betten schlafen zu können.
Dreimal dürft ihr raten, wessen bestellte Wwoofingshosts NICHT an der Bushaltestelle auf ihre Wwoofer warteten…
NATÜRLICH unsere… Gezwungener Maßen setzten sich Maren und ich also erst einmal auf die kleine Parkbank an der Straße und übten uns in Geduld (im Warten sind wir mittlerweile schon echte Profis). Ein Autofahrer nach dem anderen fuhr an uns vorbei. Nicht einer machte auch nur ansatzweise den Eindruck, nach jemanden zu suchen, geschweige denn, sich für uns zu interessieren. Nach ungefähr zwanzig Minuten dann endlich ein haltendes Fahrzeug. Anscheinend jedoch zu früh gefreut. Mit zwei Erwachsenen im vorderen Bereich, zwei Kindern und einem Hund auf den Hintersitzen und einem gefüllten Kofferraum bestand bei dieser Familie offensichtlich kein Aufnahmebedarf mehr. Oder etwa doch? Ach was würde ich dafür geben, zu sehen, wie dumm wir aus der Wäsche geschaut haben müssen, als die Beifahrerin plötzlich ausstieg und uns mit ausgestreckter Hand entgegenkam. Sicherlich ein Bild für die Götter. Doch es sollte noch verrückter werden. Nicht nur, dass von zwei Kindern im Wwoofingbuch nie die Rede gewesen war, die Dame aus dem Fahrzeug stellte sich zu allem Überfluss nun plötzlich als Teresia vor. Dabei suchten wir doch eigentlich nach Ian und Christine. Hatte also doch das falsche Fahrzeug angehalten? Wir waren zumindest nur noch verwirrt. Und wäre im nächsten Moment nicht der Fahrer ausgestiegen, um sich als Ian vorzustellen, weiß ich nicht, was Maren und ich gemacht hätten. So konnten wir wenigstens schon mal sicher sein, dass wir bei der richtigen Familie gelandet waren. Stellte sich nur noch die Frage, wo wir und wo vor allem unsere 40kg-Backpacks im überfüllten Wagen Platz finden sollten. Ich staunte echt nicht schlecht, als man nach einigem Hin- und Hergeschiebe die Rucksäcke tatsächlich in den Kofferraum gequetscht hatte, aber uns sah ich im Auto beim besten Willen noch nicht sitzen. Joah und da packten Ian und Teresia plötzlich ihre perfektionierten Stapelfähigkeiten aus, die ich mir nur durch ein jahrelanges Tetristraining erklären konnte. Und als liefe die allbekannte Musik im Hintergrund (Dimm–dü-dü-dimm–dü-dü-dimm–dü-dü-dimm–dü-dü-dimm—dimm-dimm-dimm-dimm-dimm), ging auf einmal alles wie von alleine. Alouis (Teresias elfjährige Tochter) musste nach Vorne auf Muttis Schoß, während ich mich nach hinten in die Sitzbankmitte neben Ronan (Alouis zehnjährigen Bruder) quetschte, der seinerseits Mary (die junge Hündin) auf seine Oberschenkel zog. Maren fand für sich links neben mir noch ’ne Ecke und das Wunder war geschehen: Es saßen tatsächlich alle drin. Respekt und vollste Anerkennung meinerseits. Aber da konnte ich ja auch noch nicht ahnen, dass ich mir in ein paar Minuten wünschen würde, das Auto wäre für mich zu voll gewesen. Denn während das Fahrzeug bei näherer Betrachtung so aussah (und auch so klang) als wäre es sogar für die Abwrackprämie zu abgewrackt gewesen und Mary nicht aufhörte an mir rumzuknabbern, drehte sich Ian tatsächlich bei 80km/h auf einer kurvenreichen Landstraße eine Zigarette, der er mehr Blicke würdigte als der Straße. Manchmal wendete er sich sogar ’ne Weile ganz vorm Verkehr ab, nur um Maren und mir Fragen zu stellen. Unter diesen Bedingungen unangeschnallt(!) in der Mitte der Rückbank mit herrlichem Blick auf das potentielle Ziel Frontscheibe zu sitzen, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Besonders bei einer Straße, die Achterbahnqualität besaß. Leicht beunruhigt versuchte ich mich mit Blicken aus den Seitenfenstern abzulenken, was ich sogar zeitweise hinbekam. Wie eigentlich so ziemlich nach jeder Ortschaft in Australien, folgt auch nach Gin Gin das Niemandsland. Lediglich der Asphalt lässt dann noch vermuten, dass Menschen diese Gegend schon mal betreten haben müssen. Die Großflächigkeit dieses Landes ist wirklich atemberaubend.
Nach einer knappen Dreiviertelstunde erreichten wir endlich (lebend und unverletzt) die Farm. Wie gewohnt, gab es wieder mal fast keine Nachbarn, dafür aber einen herrlichen Panoramablick auf die wunderschöne Berglandschaft. Im Haus erwartete uns bereits Chris – unsere Wwwoofingmutti – die uns bestimmt auch gerne aus Gin Gin abgeholt hätte, aber dann wäre das Auto wohl wortwörtlich aus allen Nähten geplatzt und das muss ja nicht sein. Mit den Familienverhätnissen wurden wir dann ebenfalls recht schnell bekannt gemacht. Hier die Kurzfassung: Teresia = Schwester von Chris, ergo Alouis und Ronan = Neffe und Nichte von Chris und Ian, da Ian = Lebensgefährte von Chris und Schwager von Teresia.
Ronan, Alouis und Teresia besuchten bei besonderen Anlässen unsere Wwoofingellis wohl gerne mal, was auch gleich erklärte, wieso sie uns die nächsten Tage Gesellschaft leisten würden – Ostern stand vor der Tür. Ebenfalls mit von der Partie über die Feiertage waren die zahlreichen „Haustiere“ von Ian und Chris: Hühner, (vier) Hunde, Rinder, hunderte Kröten, Pferde und tausende Insekten. Ihr könnt euch sicherlich denken, dass Maren und ich über die Anwesenheit von letzteren besonders erfreut waren. Vor allem weil wir auf den anderen Farmen ja schon so einige interessante Begegnungen mit ihnen hatten, auf die wir auch gut hätten verzichten können.
Die Grundstücksgestaltung von Herrn Norris, Chuck Ian Norris (nein, wir haben keine Chuck-Norris-Witze mit ihm ausgetauscht) ist… na ja… ich sag mal sehr individuell. Neben ausgeschlachteten Autos (werden wohl an die zwanzig gewesen sein), einer im Boden versunkenden und daher nicht mehr nutzbaren Dixitoilette und einem leicht schäbigen Wohnhaus, waren Ians Pool und Gästehäuschen die echten Schmuckstücke des Hofes. Wir und die Kids hatten glücklicherweise die Ehre in die gemütlichen Gästezimmer einzuziehen, während Teresia auf der Couch schlafen musste. Unsere bescheidene aber feine Bude beinhaltete ein großes Doppelstockbett, einen Wandschrank, einige Regale, eine von uns nie genutzte Stereoanlage und sogar einen kleinen Fernseher mit DvD-Player. Und wenn es auch an so manchen Dingen fehlte – mit Filmen konnte Ian echt aufwerten. Seine Sammlung (übrigens gebrannter) DvDs umfasste bestimmt an die 500 Exemplare aus allen erdenklichen Genres. Da war es kein Wunder, dass zwischen uns und den Kindern ein kleiner Machtkampf um den letzten DvD-Player entbrannte, nachdem unserer bereits am zweiten Abend den Geist aufgegeben hatte. Joah und während man sich so alles ansah, machte sich dann doch langsam meine Blase bei mir bemerkbar. Aber wo war eigentlich noch mal das Badezimmer gewesen? Teresia musste vergessen haben, es uns zu zeigen. Also noch mal nachgehakt und im nächsten Moment standen wir auch schon vorm Plumsklo im Garten – Oh mein Gott, hätte ich mal lieber nicht gefragt… Knapp fünfzig Meter davon entfernt kam dann die nächste Überraschung: ein Freiluftwaschbecken. Wobei die Bezeichnung „Waschbecken“ für dieses Ding wohl doch etwas zu hoch angesetzt ist. „Wasserhahn mit Schüssel daneben“ trifft es da schon eher (sah in etwa wie das Ding aus, an dem mein Dad immer seine Gartenschläuche anschließt). Einen Abfluss gab es nicht, d.h. man hat beim Zähneputzen die Zahnpasta direkt ins Gras gerotzt – Lecka(!) und willkommen im 18. Jahrhundert… Joah und da hatte ich mich auch gerade mit der Tatsache abgefunden, meine Toilettennutzung in den nächsten Tagen aufs absolut Nötigste herunterzuschrauben, als uns Teresia GOTTSEIDANK doch noch ein modernes Badezimmer zeigte. Dieses war zwar noch nicht ganz fertig gebaut, aber besaß zumindest schon mal eine funktionierende Dusche und ’ne Toilette mit Spülung.
Unser Arbeitsalltag auf der Farm war eigentlich recht chillig. An den ersten zwei Tagen harkten wir lediglich Heu zusammen, um ein paar Bäume damit einzudecken und so vor der Witterung zu schützen. Zum Ende hin wurden unsere Aufgaben da schon wesentlich komplexer und gingen vom Unkrautzupfen, Rasenmähen, Umgraben übers Abwaschen, Abtrocknen, Tischabräumen bis hin zu meinem absoluten Favouriten: Kuhmistsammeln. =D Meistens standen wir so gegen sieben auf und fingen nach einer kleinen morgentlichen Stärkung um acht mit der Arbeit an. Gegen zwölf Uhr gab es Lunch, das wie das Abendessen immer gemeinsam eingenommen wurde und ein recht großes Angebot an verschiedenen Gemüsesorten und anderen Sandwichbeilagen bot. Bis um 16Uhr hatten wir dann immer Freizeit, die wir für ein Mittagsschläfchen oder Filmchen nutzen konnten. Mit den zwei Stunden die wir daraufhin noch am späten Nachmittag aushelfen mussten, kam man insgesamt auf fünf bis sechs Stunden Arbeit, was völlig okay war. Zum Abendbrot gab es meistens warme Gerichte, z.B. Spagetti, Rösti-Kartoffeln, Fisch oder Rind. Am leckersten waren jedoch die Nachspeisen, die von Tiramisu über Wackelpudding bis hin zur Eiscremé reichten. Wir wussten schon, warum Wwoofen eine gute Idee sein würde. =)
Auf der Farm sind mir des Weiteren noch besonders unsere zahlreichen Tierbegegnungen in Erinnerung geblieben. Eines Morgens wollte ich mir z.B. an unserem super-tollen Freiluft-„Waschbecken“ die Zähne putzen, als beim Wasserhahnaufdrehen neben meiner Zahnpasta fast ein Frosch auf meiner Bürste gelandet wäre. Faszinierend was in Australien so aus der Leitung purzelt… Unser Doppelbett mussten wir uns manchmal ebenfalls mit ’nem Vierbeiner teilen – denn Geckos schlafen anscheinend auch viel lieber im kuschlig weichen Laken als unter irgendwelchen harten Holzbalken. Beim Ascheschaufeln vorm Lagerfeuerplatz mussten wir nebenbei sogar ’ne ganze Mäusefamilie umsiedeln, weil wir ihre Behausung versehentlich freigelegt hatten und die kleinen Dinger sonst noch direkt in die Glut gerannt wären. Joah und vom Dach regnete es ab und an Kröten, was ich mal kommentarlos lasse… Doch das war alles noch gar nichts gegen unsere tierische Begegnung beim Unkrautjähten. Beim Rausziehen einiger dieser nutzlosen Pflanzen hatten wir unbeabsichtigt irgendetwas Rötliches mit ans Tageslicht befördert, was wir zunächst noch als mutierten Regenwurm abstempelten (die gibt’s hier wirklich), bei genauerer Betrachtung aber als Spinne identifizierten. Und zwar nicht als irgendein harmloses Spinnchen, dass man mal schnell mit den Staubsauger wegpustet. Vor uns lag eine der gefährlichsten Spinnen der Welt – eine australische Redback (*klick*). Die zu allem Überfluss wahrscheinlich nicht sehr gut gelaunt war, weil wir zwei Eier von ihr unfreiwillig mit ausgegraben hatten. Tjoa, was macht man nun bei so einem Fund? Panisch weglaufen oder drauftreten? Wieder zuschaufeln? Mit der Schippe zerschlagen? Ach Papalapap. Natürlich ’ne Kamera holen! Man weiß ja nie, wann man noch mal das „Glück“ hat, so ein seltenes Exemplar vor die Linse zu bekommen. Die Bilder zeigten wir am Abend übrigens Chris, die uns unsere Vermutung, eine Redbackspinne ausgegraben zu haben, auch gleich bestätigte: „Uh yes, this spider can be deadly“ (dt. „Ja, diese Spinne kann tödlich sein“). Ach, wenn es weiter nichts ist… Irgendwie seh ich mich bei der Gartenarbeit in Australien noch draufgehen. Ein guter Grund sich davon sicherheitshalber fernzuhalten?^^
Ich glaube, wir können im Nachhinein betrachtet echt froh sein, dass Teresia und ihre Kindern während unseres Aufenthaltes auch vorort waren. Denn Ian und Chris – naja ich sag’s mal so: Mit Unterhalten hatten die es irgendwie beide nicht so wirklich und auch im Allgemeinen wirkten sie eher, als wollten sie rundum ihre Ruhe haben. Die meiste Zeit sah man sie in ihren Stühlen vorm Haus sitzen, während sie sich Zigaretten drehten und Kaffee tranken. Aber nicht etwa ein, zwei Tassen wie es vielleicht jeder morgens mal macht. Neeein, die beiden hatten ein unstillbares Verlangen nach dieser Coffeinbombe und bevor nicht jeder seine zwanzig Tassen täglich weggeschlabbert hatte, gingen sie nicht ins Bett. Gebeutelt von diesem offensichtlich sehr harten Leben ist es natürlich nachvollziehbar, dass man sie eher weniger arbeiten und dafür mehr entspannen sah. Wahrscheinlich nahmen sie sich auch nur aus diesem Grund Wwoofer. Unsere Aufgaben waren nämlich recht simple (dt. „leicht“) und hätten mit etwas Willenskraft ihrerseits sicherlich auch ohne fremde Hilfe gemeistert werden können. Teresia hatte zwar ebenfalls so ihre Macken und körperliche Arbeit schien auch nicht wirklich eh Ding gewesen zu sein, aber sie war zumindest sozialer und lebte seit einiger Zeit sogar unter dem Motto, ihren Kaffeekonsum vor dem Lunch auf vier Tassen zu beschränken. Teresia war auch diejenige, die uns öfter mal Eis, Süßigkeiten oder ’ne Büchse Limo zusteckte – zum Osterfest gab es sogar für jeden ’nen deutschen Schokohasen. =) Auf Eiersuche ging jedoch dieses Jahr keiner. Warum wissen wir auch nicht genau, denn die Kinder meinten, dass sie das sonst eigentlich jedes Jahr täten. Dafür hatten wir ja aber noch die Ostereierfärbetabletten von Maren und bekamen die Kinder auch überzeugt uns zumindest bei dieser Tradition Gesellschaft zu leisten. Ganze VIER Eier wurden uns zur Verfügung gestellt – Wahnsinn! Des Weiteren stellten wir schnell fest, dass die Australier ihre Eier noch etwas anders färben, als Alouis sich bei uns nach Pinseln erkundigte. Es war also eigentlich vorhersehbar gewesen, dass weder sie noch ihr Bruder jemals mit Farbtabletten gearbeitiet haben würden und nach der ganzen Aktion mehr Farbe auf ihren Händen und Füßen landete, als auf unseren popligen vier Eiern. Zum Glück konnten wir wenigstens Ronan noch davon überzeugen, zumindest seine Mum um Erlaubnis zu fragen, bevor er seinen ganzen Kopf in die Farbschüssel stecken würde. Unser Fazit: Ein recht unterhaltsames Osterfest. Nur das Osterkänguru haben wir leider verpasst – na ja den deutschen Osterhasen habe ich ja auch noch nie gesehen…
Die restliche Zeit auf der Farm verging wie im Fluge. Und obwohl die Wohnbedingungen ganz schön zu wünschen übrig gelassen hatten, würden wir das Abenteuer jederzeit wiederholen. Zu lachen gab es nämlich immer etwas, so z.B. wenn Chris als ehemalige Airforce-Köchin wieder ihre bombigen Armeeklamotten auspackte und damit durch die Gegend schoss. Da Teresia und ihre Kinder am gleichen Tag zurück nach Gin Gin mussten wie wir, hatte die Rückfahrt ziemliche Ähnlichkeit mit der Hinfahrt und zum Glück standen uns auch wieder alle unsere Schutzengel bei und ließen uns unbeschadet davon kommen.
Wie es nach unserem (vierstündigen!) Aufenthalt in Gin Gin weiterging? Das ist eine andere Geschichte, die ihr sicherlich bald zu hören bekommen werdet. Bis dahin immer schön die Ohren steif halten.

To be continued… (dt. „Fortsetzung folgt…“)

Jule & Maren

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Reisetagebuch

5 Antworten zu “Part 1: Die fabelhafte Welt des Herrn Norris

  1. Julia's Ellis

    Hallo Julia, hallo Maren,
    da habt Ihr Eure Fangemeinde aber ganz schön zappeln lassen- aber der aktuelle Bericht entschuldigt alles. Obwohl wir wöchentlich telefonieren, stehen in den Berichten immer wieder neue Details und Erlebnisse. Da wir bereits wissen, welche Stationen Ihr bereits wieder hinter Euch habt, können wir nur sagen- Leute freut Euch schon mal.
    Teilweise standen uns beim Lesen schon etwas die Haare zu berge. Passt ja auf Euch auf!!! Wie haben wir immer gesagt:“ Geht nicht mit Fremden mit (lässt sich natürlich nicht vermeiden), spielt nicht mit giftigen Spinnen(solltet Ihr schon vorsichtig sein).Denkt dran, nach den „hoffentlich“ noch etwas stressigen Arbeitswochen, wollt Ihr ja noch viel von Australien sehen und genießen.
    Bei uns ist heute ein richtiger Sommertag (leider nur heute). Gestern haben wir (7a und b)mit unserem Westbesuch (Onkel Heiko)und Oma Marlies angegrillt. Ihr kämfpt mit Sinnen, Fröschen und Geckos, wir haben zur Zeit eine richtige Mückenplage. Am Wochenende wollen wir die Zwickauer besuchen, wir hoffen Opa geht’s schon besser. Mal sehen wie wir es mit dem Telefonieren machen.
    Bleibt wie immer schön gesund.
    Viele Grüße von Mutti und Paps, Omas und Opa, Tante Lisa und allen Bekannten ohne Internet.
    Freunde und Bekannte die Eure Berichte im Internet verfolgen, wolle (oder besser sollen!!!!) Euch die Grüße in Ihren Kommentaren selbst mitteilen.

  2. außerordentlich großartiger bericht, mit dem ich mir hier im mc donalds einige verwunderte blicke einfange weil ich hier selten dämlich rumkichere und tetrismusik summe.
    mit den redbacks hatten wir auf dem weinfeld (ja, damals!) nicht selten kontakt und im 1. bundaberg hostel gabs eiiiinige unter dem billiardtisch.
    news aus bundaberg: in den letzten 2 wochen wurden 16 hunde von brown snakes getötet. na, wenns weiter nichts ist.
    und falls ihr es noch nicht mitbekommen habt, justin bieber war in australien (who the…?!), irgendein 16 jähriger pop-schnösel, alle flippen aus, der ist wohl aus america oder so.
    hey, wir haben noch knapp 3 wochen vor uns und dann sind wir auch endlich hier weg!
    und JA, der könig lebt natürlich noch bei uns. raiko wird in 1 woche nach 4 monaten bundaberg dann auch mal ausziehen.
    aber sagt doch mal, eierbemalen mit pinsel ist doch viel kuhler als färben… 🙂
    mäusefamilie hätte ich auch gerne gesehen… hach!
    @ jule: dein schreibstil ist – ich wiederhole mich – erste sahne. grandios.

    viele grüße!
    (sicher auch vom alex, der weiterhin die pineapples pickt, pusht oder sonstwas, während gestern 15 backpacker eeenfach mal vonner barbera farm gefeuert wurden. wisst ja wies ist, die local people brauchen arbeit, hier sind wir doch die bösen die denen die arbeit wegnehmen *roll eyes)

  3. tati90

    ach nebenbei könnt ihr mir so eine spinne vlt mitbringen????

  4. tati90

    ihr lebt ja doch noch habt ja ne weile nix von euch hören lassen hab mich schon gewundert na das ihr marens geburtstag feiert war mir ne bissle klar und jaja der liebe alkohol durfte auch net fehlen und 2deutsche gute bekannte hattet ihr ja zum feiern dabei oder so ähnlich …ja die farm schien auch sehr amüsant gewesen zu sein habt ihr vlt nur die kameras übersehen hört sich ne bissle nach big brother an grins freiluftbad ne man freu mich schon riesig euch wiederzusehen man wie die zeit vergeht na ok muss ins bett bis bald und viel spaß hab euch beide ganz dolle lieb

  5. moep24

    Dimm–dü-dü-dimm–dü-dü-dimm–dü-dü-dimm–dü-dü-dimm—dimm-dimm-dimm-dimm-dimm … xD – jetzt hab ich wieder Bock auf Tetris ^^
    Schön, dass ihr Marens Geburzeltag richtig ausgelassen gefeiert habt.
    Und dieser Artikel soll bloß der erste Teil sein? Naja, ihr habt ja schon eine Weile nichts mehr von euch hören lassen, deshalb ist so ein riesiger Artikel wohl auch mehr als angebracht 😉 😛
    Gin Gin … hmm, dieser Ortsname klingt schon so, als ob mindestens 80% der Einwohner Alkoholiker sind xD
    Dass euch nur 4 Eier zum färben gegeben wurden find ich ziemlich schade. Ich dürfte zwar auch nur 2 Eier anmalen, aber insgesamt gab es trotzdem über 20 bunte Eier. Aber man soll sich ja nicht beklagen, schließlich schon schön, wenn man überhaupt welche hat.
    Eure Woofing-Farm war ja anscheinend auch wieder ein besonderes Erlebnis – allein schon die Verwandschaft. Chuck Norris ist also der Schwager von Teresia? Nee, ich glaub da hab ich was falsch verstanden ^^. Ein Freiluftbad, auch nicht schlecht – wenn da nicht die fliegenden Kröten und Frösche wären xD. War also eine richtige“ Animal Farm“.
    Und das nächste mal wenn ihr so eine große Spinne seht könnt ihr auch ruhig draufschlagen, ich nehm es euch nicht übel, wenns kein Foto davon gibt ^^

    Bin schon auf die Fortsetzung gespannt (und die Fotos).
    Der Rob =)

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